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Bachelor Professional – was wird aus Fachschulen?

Wie kann die Gleichwertigkeit beruflicher Bildung mit akademischer Bildung gesichert werden?

14.09.2008 - Erwin Saint Paul

Zur Zeit versuchen die Kammern (IHK und Handwerkskammer) für die von ihnen angebotenen Weiterbildungen zum Fachwirt den Titel des "Bachelor/Master professional" einzuführen. Dies steht im Zusammenhang mit dem Lissabon-Prozess zur Einführung des EQF/DQR (europäischer Qualifiaktionsrahmen/deutscher Qualifikationsrahmen). Da die obersten 4 Stufen des 8 stufigen Systems akademischen Bildungsgängen vorbehalten bleiben sollen, stellt sich die Frage nach der Einordnung von beruflichen Fach- u. Technikerschulausbildungen sowie von beruflichen Weiterbildungen.

  • Die Qualität der Kammerweiterbildungen ist angesichts der kurzen Ausbildungsdauer von teilweise nur 600 Stunden in Frage zu stellen. Insbesondere scheint es zweifelhaft, ob hierdurch die Studierfähigkeit erworben wird.
  • Die Existenz der Fach- und Technikerschulen ist von zwei Seiten bedroht. Auf der einen Seite sind die Fachhochschulen, die bereits nach drei Jahren den Bachelor anbieten. Möglicherweise entschließen sich mögliche Interessenten gleich für ein FH-Studium. Auf der anderen Seite sind die vielfältigen teueren Weiterbildungen der Kammern, die nach kurzer Zeit einen scheinbar hochwertigen Abschluss versprechen. Hier besteht die Gefahr, dass die Ausbildungsdauer aus Konkurrenzgründen verkürzt wird.
  • Angesichts des schwer durchschaubaren Angebots an Aus- u. Weiterbildungen scheint das Vertrauen in die "Vernunft des Marktes" nicht sinnvoll, denn es drohen viele entäuschte Hoffnungen.

Im Sinne des Gleichwertigkeitsgedankens von beruflicher und akademischer Bildung sollten Fach- u. Technikerschulen Kurzzeitvollzeitausbildungen in Kooperation mit (Fach-) Hochschulen anbieten können, um am Ende einen richtigen Bachelor verleihen zu können.

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