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Kamingespräch zur Situation geflüchteter Familien in Bayern

13.02.2017 - Björn Köhler

Kolleg*innen aus der GEW Bayern trafen sich mit einem ausgewiesenen Experten des bayerischen Gemeindetags zu einem Kamingespräch. Themen waren die Situation in den Kitas und die aktuelle Lage von geflüchteten Kindern und Eltern sowie die Herausforderungen für die Städte und Gemeinden.

Auf Einladung der Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe trafen sich 9 Kolleg*innen aus der GEW mit Gerhard Dix vom bayerischen Gemeindetag. Herr Dix ist Referatsdirektor und zuständig für den Bereich Bildung und Soziales. In dieser Funktion berät er auch Bürgermeister und bezieht für die bayerischen Gemeinden Stellung gegenüber der Staatsregierung.

In lockerer Runde vor einem Kaminfeuer redete man bei einem Glas Wein über die aufgekommenen Themen und hatte so die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen.

Herr Dix berichtete über die derzeitige Lage in den Gemeinden und die mit der Flüchtlingsbewegung entstandenen Herausforderungen. So hätten viele Gemeinden überteuerten Wohnraum angemietet, der nun nicht mehr benötigt würde. Gleichzeitig seien aber viele Kommunen vorsichtig, wenn es darum ginge, z.B. zusätzliche Kitaplätze für die Kinder aus geflüchteten Familien einzurichten, da immer noch nicht klar sei, wie lange diese Familien bei ihnen im Ort bleiben werden.

Ein großes Problem sei auch, dass es oftmals keine Arbeitsplätze für Angekommene gibt, obwohl diese meist sehr lernwillig seien und es könnten nicht genügend Deutschkurse angeboten werden. Auch aufgrund dieser Erfahrungen würden viele Geflüchtete natürlich alles versuchen, um vom Land in die städtischen Bereiche zu kommen, wo sie sich leichter mit Menschen aus ihren Herkunftsländern vernetzen könnten.

Dix wurde sehr deutlich: "Wir müssen den Menschen Arbeit und Ausbildung anbieten, wenn wir wollen, dass sie sich integrieren können!"

Differenzen gab es zur Situation in den Kitas. Während Kolleg*innen aus dem Kita- und Hortbereich anmerkten, dass sie durch die große Zahl der geflüchteten Kinder noch stärker als bisher belastet seien und so nicht mehr ihrem pädagogischen Auftrag gerecht werden könnten, war Dix der Meinung, dass vorübergehend vielleicht niedrigere Qualitätsstandards zum Tragen kommen müssten, um eine Betreuung aller Kinder sicherzustellen. Es sei dumm, wenn Träger Kinder nicht aufnehmen würden und so den Rechtspopulisten in die Hände spielen würden. Leider sei die bayerische Regierung nicht sehr hilfreich, wenn es darum ginge, innovative und kreative Lösungen für die Situation vor Ort zu finden. Auch könnten die Gemeinden dem Fachkräftemangel nicht kurzfristig begegnen.

Gleichzeitig lobte er die Leistungen, die in Schulen und Kitas zur Integration der Angekommenen erbracht werden und zeigte hohen Respekt vor der Tätigkeit der Pädagog*innen. Er wünsche sich jedoch, dass man vor Ort mit Augenmaß und Flexibilität vorgehe, wenn es z.B. um die Frage ginge, ob noch ein zusätzliches (deutsches) Kind in die Gruppe aufgenommen wird, das sonst ohne Platz dastehen würde.

Abschließend bedankte sich die Moderatorin Anna Seliger noch herzlich bei Herrn Dix und den Kolleg*innen für die offene und aufschlussreiche Runde. Die Fachgruppe SozPäd wird nun auf ihrer nächsten Sitzung darüber beraten, wie man sich zu dem Thema in Zukunft verhalten wolle und welche Konsequenzen aus dem Gespräch gezogen werden. Denkbar ist z.B. die Duchführung einer offenen Diskussionsrunde oder eines weiteren Fachtags.

Alle Kolleg*innen waren sich jedoch darüber einig, dass die GEW an dem Thema dranbleiben muss!

 

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