GEW Bayern
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Der vorliegende Ratgeber »Arbeitsplatz Schule« wurde von erfahrenen GEW-Kollegen:innen verfasst und ist als Nachschlagewerk konzipiert. Um ihn auch für Menschen, die beim Lesen ein Sprachausgabeprogramm verwenden, z. B. bei Sehbehinderung, besser lesbar zu machen, verwenden wir den Gender-Doppelpunkt. Dieser wird bei Sprachausgabeprogrammen und Screenreadern nicht ausgesprochen, sondern als kurze Sprechpause umgesetzt – wie es in gendergerechter Sprache vorgesehen ist.

Unter Stichworten enthält dieser Ratgeber in alphabetischer Reihenfolge wichtige Informatio­nen zum Berufsalltag. Diese sollen den Beschäftigten im Schulsystem zu ihrem Recht verhelfen und durch sachliche Information Hilfen an die Hand geben, um ihre Rechte auch einzufordern. In den meisten Artikeln finden sich zudem Positionen der GEW zum jeweiligen Thema.

Die Quellenangaben weisen auf zugrunde liegende Gesetzestexte und Bestimmungen hin. Eine Vielzahl der einschlägigen Rechtsvorschriften ist in der Datenbank BAYERN-RECHT unter gesetze-bayern.de zu finden. Dort gibt es auch einen Link zum Bundesrecht. Der Inhalt dieser Broschüre wird auch auf der Homepage der GEW Bayern unter der Adresse gew-bayern.de/ schule/ratgeber veröffentlicht. Dort werden wir gegebenenfalls auf veränderte Gesetze und Bestimmungen hinweisen und die betreffenden Artikel aktualisieren.

Schulalltag in den Krisenjahren 2020 und 2021

Die immer wiederkehrenden strittigen Themen des Systems Schule wie Personalmangel, unan­gemessene Klassengrößen, Umsetzung der Inklusion, Beurteilung von Schüler:innenleistungen, Datenschutzrichtlinien, digitale Bildung und Ausstattung von Personal und Schüler:innen, dienstliche Beurteilung usw. werden in 2020 von der Umsetzung von Erziehung und Unterricht unter den Bedingungen von Covid-19 überlagert. Permanente Unsicherheit ist das kennzeich­nende Merkmal, von dem alle Bereiche des Lebens betroffen sind. Bisher Gewohntes wird infrage gestellt, neue einschneidende Maßnahmen werden angeordnet und deren Umsetzung in unglaublichem Tempo gefordert. Stabilität, die das System Schule für die Gesellschaft ge­boten hat, ist verloren gegangen.

Die Beschäftigten an Schulen werden mit Forderungen nach Einhaltung von Gesundheitsschutz und Erstellung von Rahmenhygieneplänen überrollt und müssen Entscheidungen treffen, deren Folgen sie als Pädagog:innen nicht einschätzen können. Bayerische Infektionsschutzmaßnah-menverordnungen werden erstellt, aktualisiert und, ebenso wie die Quarantäneanordnungen der Gesundheitsämter, permanent geändert.

Häusliche Gewalt hat wie befürchtet als entsetzliche Auswirkung der Pandemie zugenom­men. Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen verlieren den unmittelbaren Kontakt zu den Schüler:innen und können z. B. deren Notlage im häuslichen Bereich nur sehr eingeschränkt erkennen und entsprechend schlecht intervenieren. Hausbesuche durch Ambulante Erzie­hungshilfen entfallen ebenso wie die Angebote von Freizeiteinrichtungen, in denen sich die Kinder und Jugendlichen angenommen und unterstützt fühlen können.

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung. Doch wie kann es umgesetzt werden, wenn oft die technischen Mittel fehlen, um Homeschooling bzw. digitales Lernen zu Hause zu ermöglichen? Die Bildungsungerechtigkeit hat in Bayern in den Krisenmonaten weiter zuge­nommen. Erst im kultusministeriellen Schreiben vom 27.11.2020 werden konkrete Aussagen zur Bereitstellung von Endgeräten für Lehrkräfte und Schüler:innen gemacht.

Im Schulalltag relevante Fragen wie Reduktion von Lerninhalten, Übertritt, Vorrücken auf Probe, geänderte Leistungsfeststellungen oder auch die Verschiebung des Beginns der Abi­turprüfung 2021 werden erst acht Monate nach Beginn der Einschränkungen durch Covid-19 thematisiert aber vielfach keineswegs zufriedenstellend gelöst.

Viele offene Fragen! »Individuelle Entscheidungen«, wie sie vonseiten des KM immer wieder an die Schulen delegiert werden, bieten nicht den erforderlichen tragfähigen justiziablen Rahmen für die gesamte Schulfamilie.

Wir als GEW greifen diese Fragen auf und setzen uns für Lösungen ein!

Natürlich werden wir auch an unseren bisherigen Kampagnen wie »JA! 13«, der Forderung nach einem gleichen Einstiegsgehalt auch für Grund- und Mittelschullehrer:innen oder der »Schule für ALLE«, nach Änderungen in der Schulstruktur in Richtung längere gemeinsame Schulzeit und nicht zuletzt an den gewerkschaftlichen Alltagsaufgaben wie der Tarifpolitik weiterarbeiten.

Der vorliegende, aktualisierte Ratgeber enthält jedoch primär viele wichtige Informationen zum Berufsalltag, die den Kolleg:innen gerade angesichts der geschilderten zusätzlichen Be­lastungen weiterhin in bewährter Form Hilfen an die Hand geben, ihre Rechte einzufordern.

Wenn es für einzelne Themenbereiche in der Landeshauptstadt München Sonderregelungen gibt, haben wir diese jeweils am Ende der Artikel erwähnt.

Redaktion:

Simone Batisweiler, Kathrin Frieser, Siegfried Grob, Karin Schmid, Wolfram Witte