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Corona Situation in den Schulen ist besorgniserregend

Mit großer Sorge beobachtet die GEW Bayern die derzeitige Situation an Schulen. Der Gesundheitsschutz gegenüber Kindern und Beschäftigten muss angesichts der vierten Pandemiewelle an erster Stelle stehen.

 

01.12.2021

Mit großer Sorge beobachtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW) die derzeitige Situation an Schulen. Der Gesundheitsschutz gegenüber Kindern und Beschäftigten muss angesichts der vierten Pandemiewelle an erster Stelle stehen.

Im Juni dieses Jahres hatte Ministerpräsident Söder angekündigt, dass es in jedem Klassenzimmer in Bayern bis zum Herbst einen Luftfilter geben werde. „Wir wollen im Herbst nicht wieder bei null anfangen“, twitterte er. Jetzt ist Spätherbst, in der Breite fehlen nach wie vor Luftfilter in den Klassenzimmern und so wütet auch dort die Pandemie erneut.

„Wir wollen offene Schulen und Kitas, das ist keine Frage. Wir alle wissen, was fehlende Sozialkontakte und fehlende Tagesstrukturen über einen längeren Zeitraum anrichten können. Die Infektionszahlen sind aber vor allem unter den Kindern besonders hoch und viele Lehrkräfte haben die Booster-Impfung noch nicht erhalten“, sagt Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern.

Zudem zeigt sie sich besorgt über die Meldungen aus der Landeshauptstadt München: „Bislang galten Schulen vor allem deswegen als relativ sicher, weil Kinder regelmäßig getestet werden. Nun lesen wir aber, dass in München die Labore die Auswertung der Pool-Tests nicht mehr am gleichen Tag schaffen und die Kapazitäten auch im restlichen Bayern an ihre Grenzen stoßen. Wenn die PCR-Tests nicht mehr rechtzeitig ausgewertet werden, befinden wir uns im Blindflug. Das darf nicht geschehen.“

Ihr Kollege Florian Kohl, Mitglied im Hauptpersonalrat und stellvertretender Vorsitzender der GEW Bayern, stellt fest: „Es ist genau wie im letzten Jahr. Der Gesundheitsschutz liegt seit Wochen in der Verantwortung der Lehrkräfte vor Ort. Sie organisieren die Testungen, kontrollieren die Maskenpflicht, halten Lüftungsprotokolle ein, versorgen sich selbst mit FFP2-Masken und informieren spät abends Eltern, wenn ein Pool-Test positiv ausfiel. Nebenbei sollen sie noch Unterricht halten, Lernlücken der letzten beiden Jahre schließen, den Lehrplan erfüllen, Noten einholen, individuelle Förderpläne erstellen, Kinder in Quarantäne mitversorgen und die zahlreichen Krankheitsfälle im Kollegium kompensieren. Das ist in der derzeitigen Situation nicht zu schaffen. Es tut mir leid, aber mit geregeltem Schulalltag, geschweige denn mit guter Bildung hat das nichts mehr zu tun. Gleichzeitig scheint man eine Durchseuchung der Kinder in Kauf zu nehmen und begründet das dann mit dem Kindeswohl? Das finde ich schon beinahe zynisch.“

„Wir fordern, dass die Präsenzpflicht an den Schulen ausgesetzt wird. Man kann Eltern nicht dazu zwingen, ihre Kinder in dieser Situation in die Schulen zu bringen. Wir befürchten, dass Schulschließungen de facto von alleine kommen, nämlich dann, wenn schlicht kein Personal mehr vorhanden ist, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. Dem sollte man in jedem Fall vorbeugen, vor allem weil noch nicht geklärt ist, wie sich die neue Variante ‚Omikron‘ verhalten wird. Vorgezogene Weihnachtsferien würden helfen, die Pandemiewelle zu durchbrechen, und es wäre eine gute Gelegenheit, die ausgefallenen Faschingsferien 2021 zurückzugeben“, schließt Martina Borgendale.