GEW Bayern
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Öffnungsschritte in KitasSchützen ja, aber richtig!

Es grenzt an Selbstbetrug, mit welcher Verve das Familienministerium behauptet, ihre Schutzmaßnahmen seien ausreichend. Demgegenüber stellt die Bildungsgewerkschaft fest: Die Lockerungen in den Einrichtungen werden nicht ausreichend mit Maßnahmen flankiert.

19.03.2021

Seit 15.03.2021 ist ein Teil der Kindertageseinrichtungen in Bayern im Normalbetrieb. Angesichts der steigenden Infektionszahlen bei Kindern und Erwachsenen durch die Corona-Mutanten wurden überfällige Schutzmaßnahmen für alle angekündigt. Die GEW Bayern hat zum zweiten Mal ihre Mitglieder befragt und ist sich nach der Auswertung sicher: Diese Maßnahmen sind nur schöner Schein – die Gesundheit der Beschäftigten, der Kinder und Eltern schützen sie nicht.

Dazu Gerd Schnellinger, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW Bayern: „Was mich am meisten erschüttert, ist, dass in zwei Dritteln der Einrichtungen Mitarbeiter*innen der sogenannten Risikogruppen eng an den Kindern arbeiten. Nach der Farce mit den Zuschüssen zu den Luftreinigungsgeräten, die kaum irgendwo ankamen, ist dies eine absolute Frechheit. Dass die Testmaschinerie bisher nicht läuft und dennoch weiter geöffnet wird, ist unverständlich. Aktuell werden Eltern nicht einmal zwei Selbsttests pro Woche für ihre Kinder angeboten, es sollen nur die Beschäftigten getestet werden. Damit wird unterstellt, dass sie allein das Problem sind, nur sie sich anstecken können und andere infizieren. In komplizierten Schreiben an die Eltern und unsere Kolleg*innen wird zwischen allergischem Schnupfen und verstopfter Nase bei den Kindern, die die Kita besuchen dürfen, unterschieden. Die Beurteilung obliegt den Kitabeschäftigten. Die Kolleg*innen sind doch keine Ärzt*innen. Ich habe das Gefühl, es wird sich zu sehr auf der vermutlich geringeren Infektiosität von jüngeren Kindern ausgeruht, dabei steigt gerade die Inzidenz unter Kindern von null bis fünf Jahren laut Robert-Koch-Institut dramatisch. “

Mario Schwandt, Gewerkschaftssekretär der GEW Bayern betont: „Wir hatten dieses desaströse Umfrageergebnis nicht erwartet. Letztes Frühjahr hatten wir schon einmal eine Umfrage durchgeführt. Nach so langer Zeit hätten wir eine deutlich positivere Entwicklung erwartet. Aus den vielen Rückmeldungen der Beschäftigten vor Ort spricht aber die nackte Angst und ein wachsender Groll gegen die politisch Verantwortlichen. Gesetzlich vorgeschriebene und an Corona angepasste Gefährdungsbeurteilungen kennt die Hälfte der Befragten nicht. Es wird Zeit, dass sich die Gewerbeaufsicht diesem Skandal annimmt. Es gibt zudem eine klare Pflicht, dass die Kosten des Arbeitsschutzes vom Arbeitgeber getragen werden, aber noch immer bekommen die Kolleg*innen nicht genügend Masken. Die meisten Arbeitgeber meinen, eine Maske pro Beschäftigte und Tag reicht. Wir meinen: Das ist ekelhaft geizig.“

Die Umfrage finden Sie hier

Die GEW Bayern hat ein umfangreiches Positionspapier zum Thema