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GEW warntQualität des Unterrichts an Förderschulen leidet aufgrund verfehlter Personalpolitik!

Der Ausbau der Ganztagsschulen soll im Bereich der Förderschulen fortgesetzt werden. Aufgrund des akuten Lehrkräftemangels sieht sich die Staatsregierung allerdings zu pädagogisch fragwürdigen Methoden gezwungen.

19.04.2021

In gebundenen Ganztagsklassen werden Lehrerstunden gekürzt. Auch fachfremdes Personal hat es in Zukunft leichter, an einer Förderschule tätig zu werden. Innerhalb der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gibt es warnende Stimmen: Der Druck auf das sonderpädagogische Personal würde deswegen steigen und die Qualität des Unterrichts sinken.

Mit den Maßnahmen des Piazolo-Pakets aus dem letzten Jahr ist die Arbeitsbelastung an Förderschulen für die Fachkräfte gestiegen. Wir erinnern uns: Um den Unterrichtsbetrieb aufrecht erhalten zu können, wurde die Arbeitszeit vieler Lehrkräfte erhöht. Doch die Gefahr, dass kein geregelter Unterricht stattfinden kann, wurde damit nicht gebannt.

Das Kultusministerium hat zum neuen Schuljahr 2021/2022 weitere Maßnahmen beschlossen. „Im Ganztag werden die Lehrerstunden gekürzt. Das bedeutet, dass Schulen für den Nachmittag externe Kräfte anwerben müssen. Gerade im Bereich der sonderpädagogischen Förderung ist das aus eigener Erfahrung heraus oft problematisch. Kinder brauchen qualifiziertes und beständiges Personal. Sonderpädagogische Kompetenzen fehlen bei externen Kräften aber", so Sonderpädagoge und stellvertretender Vorsitzender der GEW Florian Kohl.

Auch für fachfremde Kräfte wird es leichter, an eine Förderschule zu wechseln. Zum nächsten Schuljahr können erstmals Absolventen pädagogischer Master-, Diplom- oder Magisterstudiengänge den Vorbereitungsdienst für das Lehramt Förderschule beginnen. Ein erstes Staatsexamen und ein vertieftes Studium sind nicht mehr notwendig. Auch Gymnasiallehrkräfte können sich zum neuen Schuljahr an Förderschulen abordnen lassen. Das solle die Inklusion stärken, so die Erklärung von Kultusminister Piazolo.

Karoline Höbner, Vorsitzende der Fachgruppe pädagogische Berufe und Personalrätin, schüttelt darüber den Kopf: „Als Sonderpädagogin habe ich mir im Studium ein Fachwissen erarbeitet. Das erfährt durch diese Maßnahmen eine massive Abwertung. Es ist verständlich, dass man irgendwie versucht, die Lücken zu füllen und wir freuen uns über neues Personal. Aber letztendlich müssen wir die Einarbeitung des fachfremden Personals leisten, und wir arbeiten schon lange am Limit. Und so zu tun als wäre das eine Bereicherung im Sinne der Inklusion ist realitätsfremd. Mit Inklusion haben die Notmaßnahmen aufgrund verfehlter Personalpolitik der letzten Jahre nichts zu tun. Letztendlich sind es die Kinder, die unter schwindender Unterrichtsqualität leiden werden."