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Coronatests an SchulenPlan zur Umsetzung der Pool-Testungen ist Wahnsinn

Ab dem 20.9. soll das Testverfahren an Grund- und Förderschulen mit ausgewählten Förderschwerpunkten von den Schnelltests auf kindgerechte PCR-Lolli-Tests umgestellt werden.

14.09.2021

Allerdings sorgen der Zeitplan und der logistische Aufwand, den das Kultusministerium jetzt verlangt, für Entsetzen bei den betroffenen Schulleitungen und Lehrkräften. 

Am Freitag informierte das Kultusministerium die Grund- und Förderschulen über die Umsetzung der PCR-Pooltestungen. Der Zeitplan ist, Zitat Ministerialdirektor Graf, „zugegebenermaßen sehr straff“. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern übt deutliche Kritik: Der Zeitplan ist unrealistisch. Die Anweisungen setzen Schulleitungen und Lehrkräfte bereits in der ersten Schulwoche massiv unter Druck und zeigen erneut, wie weit entfernt das Kultusministerium von der schulischen Realität ist.

„Das ist Wahnsinn“, meint Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender der GEW Bayern. „Bis übermorgen sollen Eltern informiert, Einverständniserklärungen eingeholt, ein Elternabend durchgeführt, Zugänge zu einer digitalen Schnittstelle erstellt, zur Testdurchführung informiert und geschult und die Logistik an der Schule geklärt sein. Das ist schlicht unmöglich und vollkommen unrealistisch.“

Um an den Pooltestungen teilnehmen zu können, benötigen Eltern zwingend eine E-Mailadresse. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum man hier auf E-Mail setzt. Vor allem in benachteiligten Schichten ist die E-Mail kein gängiges Kommunikationsmittel. Ein Handy hat dagegen jede*r. Man könnte die Ergebnisse auch per SMS verschicken, das würde die Bereitschaft zur Teilnahme erhöhen.“, so Kohl.

Auch an der geplanten Umsetzung übt die Gewerkschaft Kritik. Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern, selbst Lehrerin, erläutert: „Die Anleitung des Kultusministeriums zur Pool-Testung umfasst 15 Handlungsschritte. Allein das Zuordnen und Bekleben der Röhrchen ist bereits bei einem vorgesehenen Pool für 25 Schüler eine logistische Herausforderung. Wir sind Lehrkräfte, keine medizinischen Labormitarbeiter*innen. “ Zudem müssen Lehrkräfte nach der Testung alle getesteten Kinder digital erfassen, was ohne digitales Endgerät im Klassenzimmer schwierig wird. Und selbst wenn: „Eine erste Klasse testen, alle Röhrchen etikettieren, danach an den PC setzen und die Daten in einen PC eingeben, alles klar. Und die Schüler*innen sitzen brav an ihrem Platz und warten? Das ist verrückt.“, sagt Martina Borgendale.

„Wir haben die Pool-Tests gefordert. Diese Logistik hätte man jedoch viel früher anleiern müssen, nicht erst auf den letzten Drücker. Was hätte dagegen gesprochen, das ganze langfristiger und unkomplizierter vorzubereiten und die nächsten zwei bis drei Wochen noch auf die Selbsttests zu setzen? “, wundert sich Borgendale.