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CoronavirusGEW und Beschäftigte in den sozialen Berufen sehen dringenden Handlungsbedarf!

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert dringende Korrekturen und mahnt die Staatsregierung und die Kommunen, die frühkindliche Bildung und die soziale Arbeit bei ihren Maßnahmen gegen den Corona-Virus nicht zu vergessen.

23.03.2020

„Wir sind erschüttert, mit wie wenig Sinn für die Situation derzeit in zu vielen Betrieben gehandelt wird“, fasst Gerd Schnellinger, Vorstand der Landesfachgruppe sozialpädagogische Berufe, die Lage zusammen. „Gleichzeitig sind wir voller Respekt für unsere Kolleg*innen, von denen die meisten eben nicht von zu Hause arbeiten können, weil sie jeden Tag im Dienst am Menschen unterwegs sind.“

Das Beratungsteam der GEW ist in permanentem Einsatz, „ihnen wird sehr viel Unverständliches, Irrationales bis hin zu Gefährlichem berichtet“, ergänzt Anton Salzbrunn, Landesvorsitzender der GEW. Träger von Kitas, Krippen und Horten holen beispielsweise ihr gesamtes Personal in den Betrieb, lassen Kolleg*innen auch noch in einem kleinen Raum sitzen, obwohl die Zahl der zu betreuenden Kinder in den Notfallgruppen überschaubar ist. Ähnliches wird aus der Behindertenhilfe und der sozialen Arbeit berichtet. In vielen Einrichtungen besteht eine große Verunsicherung bei den Kolleg*innen. Eine einzige Infektion reicht aus, um ganze Betriebe der kritischen Infrastruktur für zwei Wochen lahmzulegen. Die gesamte soziale Arbeit ist systemrelevant. „Ohne die Arbeit der Kolleg*innen könnten traumatische Situationen entstehen“, führt Gerd Schnellinger aus. Die Jugendämter, die ambulante Erziehungshilfe, die Frühförderung, die Wohngruppen der Behinderten- und Jugendhilfe, sie alle müssen, wenn notwendig weiterarbeiten können.

„Die GEW fordert daher den Freistaat, Bezirke und Kommunen auf, klare Worte an alle Träger zu richten und dafür zu sorgen, dass in den Betrieben nur das notwendige Personal eingesetzt wird und der Rest zu Hause arbeiten kann. Das gilt insbesondere für ältere Kolleg*innen und für Kolleg*innen mit kleinen Kindern. Es sollte klargestellt werden, dass die Refinanzierung auch davon abhängig gemacht werden kann“, verdeutlicht der Bildungsgewerkschafter Salzbrunn.

„Viele Verantwortungsträger in den Einrichtungen sind überfordert“, ergänzt Mario Schwandt, zuständiger Gewerkschaftssekretär der GEW. Personal würde bspw. unter Druck gesetzt, Änderungsverträge mit geringerer Arbeitszeit zu unterzeichnen. „Um die Situation in der sozialen Arbeit zu entspannen, ist nun eine klare Botschaft seitens des Freistaats, der Bezirke und der Kommunen dringend notwendig: Was bisher im Haushalt steht, muss den Trägern ausbezahlt werden, auch wenn im Einzelfall wegen Corona die Leistung nicht erbracht werden konnte.“ Handlungsbedarf sehen die GEW und die Beschäftigten in der Behindertenhilfe insbesondere auch bei den Krankenkassen, die Teile der Hilfspakete in der Behindertenhilfe finanzieren.

„Wir erwarten von den politisch Verantwortlichen nun, dass die Verwaltung schnell deutliche Signale setzen kann und die Angst um den Arbeitsplatz nicht in diesem so wichtigen Bereich Einzug hält. Die vielen kleinen Träger sind mit Themen wie Kurzarbeit und Krisenmanagement überfordert. Sie müssen nun erfahren, dass die Gelder wie geplant weiterfließen, damit sie sich um sinnvolle und seuchengerechte soziale Arbeit und Bildung in den Betrieben kümmern können. Noch ist ja gar nicht klar, was da alles auf uns zukommt und welchen Bedarfen die Kolleg*innen fachgerecht begegnen müssen“, fasst Anton Salzbrunn die derzeitige Lage zusammen.

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