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Jetzt geht es um Bildungsgerechtigkeit! GEW begrüßt die Forderungen der Leopoldina und sieht sich bestätigt

Die GEW sieht sich in den von ihr vertretenen Positionen gestärkt und begrüßt die Unterstützung aus der Wissenschaft.

23.06.2021

Die Wissenschaftler*innen der Leopoldina betonen in ihrer Stellungnahme mit dem Titel “Kinder und Jugendliche in der Coronavirus-Pandemie: psychosoziale und edukative Herausforderungen”, dass bereits vor Corona die Belastungen vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu hoch waren. Sie empfehlen, Bildungseinrichtungen unter Berücksichtigung geeigneter Schutzmaßnahmen offen zu halten und fordern den Auf- und Ausbau von Unterstützungs- und Bildungsstrukturen, die Benachteiligungen entgegenwirken.

“Wir weisen schon lange darauf hin, dass es unserem Bildungssystem nicht gelingt, die Kinder mit annähernd gleichen Voraussetzungen in ihre Schullaufbahn zu schicken. Für viele Kinder ist die weitere schulische Entwicklung aufgrund von sprachlichen Rückständen zum Schuleintritt bereits vorgezeichnet. Das darf im Sinne von Bildungsgerechtigkeit nicht sein. Um die Forderungen der Leopoldina nach nachhaltiger Sprachförderung im vorschulischen Bereich umzusetzen, benötigt es dringend eine Veränderung der Rahmenbedingungen. Dazu gehören unbedingt kleinere Gruppen und mehr hochqualifiziertes und entsprechend bezahltes Personal. Stattdessen kürzt das Kultusministerium die vorschulische Sprachförderung im Kindergarten.”, betont Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender der GEW Bayern. 

“Was im vorschulischen Bereich schiefläuft, setzt sich in der Grundschule fort. Der massive Lehrkräftemangel macht es unmöglich, allen Kindern gerecht zu werden. Die Leopoldina fordert eine Anpassung der Stundentafel und zusätzliche Förderinstrumente für Schülerinnen und Schüler. Wir verlangen kleinere Klassen und eine Abkehr von der straffen Orientierung an den zukünftigen Gymnasialkindern. Alle Kinder müssen mit ihren individuellen Lernvoraussetzungen im Blick sein. Und es geht dabei nicht nur um die Vermittlung von Unterrichtsstoff. Wir begrüßen deshalb auch den Appell für den Ausbau der Schulsozialarbeit. Das wäre ein erster Schritt hin zu multiprofessionellen Teams an Schulen.”, ergänzt die Vorsitzende Martina Borgendale.

Einig sind sich die beiden Lehrkräfte auch bei der Forderung, Schulen unter Berücksichtigung geeigneter Schutzmaßnahmen offen zu halten und verweisen auf das Förderprogramm für stationäre raumlufttechnische Anlagen des Bundes. “Wenn Sachaufwandsträger die Fördergelder des Freistaates Bayern nicht in Anspruch genommenhaben, haben sie jetzt die Möglichkeit, Kindertageseinrichtungen und Grundschulen mit technischen Lüftungsanlagen auszustatten. Im Herbst kann es keine Ausreden mehr geben. Die Nachrüstung macht auch unabhängig von Corona Sinn. Allerdings fordern wir eine Ausweitung der Förderung auf alle Schularten!”, so Borgendale.