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Kundgebung in NürnbergGEW Bayern warnt vor starken Einschnitten in der Bildungsqualität

Zu einer Kundgebung in Nürnberg hatte der Bezirksverband Mittelfranken der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen.

11.06.2021

Vor allem die neuen Maßnahmen des Kultusministeriums an Grund-, Mittel- und Förderschulen, die trotz massivem Lehrkräftemangel helfen sollen, den Unterrichtsbetrieb aufrecht zu erhalten, besorgen die Kolleg*innen der GEW.

Der Lehrkräftemangel ist enorm, wie Verbände und Gewerkschaften seit langem betonen. Das Kultusministerium wird nicht müde, den Mangel abzustreiten. Bereits im letzten Jahr wurden die Lehrkräfte an den Schulen mit dem „Piazolo-Paket“ dienstrechtlich zu mehr Arbeit verpflichtet. Die neuen Maßnahmen gehen einen Schritt weiter: Lehrer*innenstunden im Ganztag, in den Fächern Musik, Kunst und Sport und im vorschulischen Bereich sollen durch externes Personal ersetzt werden.

Nach Grußworten von Ronja Endres für die SPD, Niklas Haupt für die Linke und Stefan Doll für den DGB Mittelfranken fand Ruth Brenner, Bezirksvorsitzende der GEW in Mittelfranken und Mitglied im Hauptpersonalrat deutliche Worte: „Es ist ein bildungspolitisches Desaster. Seit Jahren wird von den verantwortlichen Bildungspolitiker*innen der Lehrkräftemangel geleugnet und vertuscht. Sie kürzen hier und streichen da und lassen die Misere von Schüler*innen und Schülern und Lehrkräften ausbaden. Es muss Schluss sein mit Maßnahmen, die die Bildungsqualität gefährden und die Kolleg*innen immer mehr belasten. Gerade jetzt, wo die Schüler*innen einen großen sozialen, emotionalen und fachlichen Nachholbedarf haben, brauchen wir an den Schulen gute Arbeitsbedingungen. Mit fachlich und pädagogisch ungeschulten externen Kräften kann man das nicht bewältigen.“

Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender der GEW Bayern, verglich in seiner Rede das bestehende Bildungssystem mit einem Fahrzeug, in das man seine Kinder kaum noch mit gutem Gewissen einsteigen lassen wolle. „Unsere Kinder sollten es uns wert sein, dass sie die vielen Jahre ihrer Schulzeit unter besten Bedingungen verbringen. Doch was sie vorfinden, wenn sie ihre Bildungskarriere beginnen, hat damit nichts zu tun.“

An die Politik hat er klare Erwartungen: „Ich erwarte, dass das Kultusministerium die Schwierigkeiten klar benennt und den Mut aufbringt, sich gemeinsam mit Gewerkschaften und Verbänden auf den Weg zu machen, die grundlegenden Probleme unseres „Bildungssystems“ endlich grundlegend anzugehen. Es gibt im Bildungsbereich viele gute Visionäre aus der Praxis, die mit innovativen Ideen und Konzepten an vielen Schulen Bildung längst neu denken und von denen man profitieren kann. Man muss es nur endlich anpacken.“