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GEW übt KritikDas Corona-Konzept der bayerischen Staatsregierung für Schulen und Kitas ist gescheitert!

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW) äußert sich kritisch zu den gestern verkündeten Maßnahmen und dem Auftreten des Kultusministers.

15.12.2020

Schulen und Kitas zu schließen ist zwar angesichts der viel zu hohen Infektionszahlen leider unvermeidlich, nach den Ankündigungen zur Notbetreuung ist aber zu befürchten, dass die Notgruppen zu voll sein werden und der Schutz aller Beteiligten unzureichend umgesetzt wird. Neben Schulen und Kitas betrifft dies vor allem auch die Behindertenhilfe. Der Schlingerkurs des Kultusministers ist für die GEW untragbar.

Nun ist das eingetreten, wovor die Bildungsgewerkschaft wochenlang gewarnt hatte: Schulen und Kitas schließen am morgigen Mittwoch. Das Ziel der Landesregierung, einen harten Lockdown unbedingt zu vermeiden, wurde mit den getroffenen Maßnahmen nicht erreicht. Hätte die Politik die Empfehlungen von RKI und anderen Verbänden wie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ernst genommen, hätte dieser Schritt womöglich verhindert werden können. Inwiefern das Beharren auf Präsenzunterricht und offene Kitas zur Situation beigetragen haben, wird in der öffentlichen Diskussion kaum noch erwähnt.

Vollkommen unverständlich ist es, dass sich Kultusminister Piazolo an Schulen und Eltern wendet und Distanzunterricht für die letzten drei Tage in fast allen Klassen ausschließt, um am nächsten Tag wieder zurückzurudern. Das sorgt berechtigterweise für Ärger bei Schulen, die sich in den letzten Wochen genau auf dieses Szenario vorbereitet hatten, und bei Eltern, die jetzt ihre Kinder wieder als Co-Lehrer im Distanzlernen unterstützen sollen.

Dazu die designierte GEW-Landesvorsitzende, Martina Borgendale: „Das Hin und Her des Kultusministers in Sachen Distanzunterricht oder sich ständig ändernder Hygienevorschriften mitsamt seiner völlig verfehlten Kommunikationspolitik ist für uns nur schwer ertragbar. Dazu kommt, dass es in den neun Monaten der Corona-Krise nicht gelungen ist, eine datenschutzkonforme Videokonferenz-Plattform und Dienstgeräte für die Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen. Eine frühzeitige Verzahnung von Präsenz- und Onlineunterricht, wie von uns schon seit Schuljahresbeginn gefordert, hätte die nun nicht mehr zu leugnenden Ausbrüche an den Schulen vermindern und auch einen erneuten abrupten Wechsel auf kompletten Distanzunterricht vermeiden können. Von einem Kultusminister hätten wir hier mehr Weitsicht erwartet!“

Was es aus Sicht der Gewerkschaft dringend braucht, ist ein Konzept für die Zeit nach dem 10. Januar. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Schulen und Kitas regulär öffnen können, sollten die politisch Verantwortlichen die Zeit nutzen, um den markigen Worten endlich Taten folgen zu lassen.