GEW Bayern
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Florian Kohl

Bewerbung als stellvertretender Vorsitzender

 

Als klassischem Lehrerkind blieb mir nach 13 Jahren Erfahrung mit dem bayerischen Schulsystem nur ein Weg – nämlich der an der Schule zu bleiben. Behilflich dabei, meinen Weg zu finden, war der Zivildienst, den ich in einer Schule mit angeschlossenem Internat für Kinder und Jugendliche mit Seh- und Mehrfachbehinderungen ableistete. Lehrer wollte ich nach diesen prägenden Erfahrungen werden und studierte deshalb Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung in Würzburg. Ich absolvierte mein Referendariat in Nürnberg und arbeite nun seit 13 Jahren als Lehrer im Bereich der Förderschulen. Ich habe selbst drei Kinder in Kita, Grundschule und Gymnasium, meine Frau ist ebenfalls Lehrerin und ich erlebe das bayerische Bildungswesen daher aus vielen Perspektiven.

Bereits während des Referendariats organisierte ich mich aufgrund der damals unleidigen Situation für Sonderpädagogen in Bayern gemeinsam mit Kolleg:innen in einem unabhängigen „Bündnis für faire und pädagogisch sinnvolle Einstellungspraxis“. Ich knüpfte erste gewinnbringende Kontakte – unter anderem mit den Kolleg:innen aus der Fachgruppe sonderpädagogische Berufe der GEW, die mir den Einstieg in die gewerkschaftliche Arbeit schmackhaft machten. Die Einstellungsbedingungen konnten wir nicht nachhaltig beeinflussen, aber innerhalb der GEW eine Heimat finden, um gegen die vielen Absurditäten des Alltags und für konstruktive Lösungen in unserem Bildungssystem zu streiten.  

Ich zog 2010 über die Liste der GEW in den Personalrat ein und vertrete dieses Gremium seit 2016 als stellvertretender Vorsitzender. Die Arbeit im GEW-dominierten Personalrat empfinde ich als sehr konstruktiv, weshalb ich nächstes Jahr neben dem ÖPR auch für den HPR kandidieren und die Nachfolge von Johannes Schiller antreten möchte. Innerhalb der GEW engagiere ich mich in den Fachgruppen sonderpädagogische Berufe und Grund- und Mittelschulen und derzeit wieder in der AG PR-Wahl. Außerdem bin ich regelmäßiger Teilnehmer der Landesfachgruppe GS/MS/FS, der Aktivenkonferenz und war zweimal Delegierter an den LVVs für den Bezirk Mittelfranken. Ich administriere die GEW-Cloud und unterstütze aktiv den Auftritt der GEW Bayern in den sozialen Netzwerken.  Die GEW bietet mir zahlreiche Möglichkeiten, meiner Leidenschaft nachzugehen: Ich schreibe gerne zu bildungspolitischen Themen. An der von der GEW organisierten Kundgebung zum Thema Unterrichtsversorgung im Februar durfte ich vor 2000 Menschen meine erste Rede halten: Eine tolle Erfahrung und hoffentlich nicht die letzte.

Mich beschäftigt vor allem das Bildungssystem mit seinen vielen verschiedenen Auswüchsen und Auswirkungen auf unsere gesellschaftliche Entwicklung. Die Corona-Pandemie legt gerade schonungslos das Brennglas auf die Probleme: gravierender Personalmangel, ungenügender Arbeits- und Gesundheitsschutz, fehlende Digitalisierungskonzepte und natürlich Bildungsgerechtigkeit. Nirgendwo in Deutschland ist Bildungserfolg so abhängig von der sozialen Herkunft wie in Bayern. Die Bildungsgewerkschaft muss meiner Meinung nach genau an diesem Punkt ansetzen. Andere Länder in Europa machen es vor: Es braucht dringend eine Aufwertung aller Bildungsberufe, angefangen in der so wichtigen Arbeit im vorschulischen Bereich. Kinder haben ein Recht, unabhängig ihrer Herkunft mit möglichst gleichen Chancen ins Schulleben zu starten. Auf dem Weg hin zu einem inklusiven Bildungssystem kann es nicht dabei bleiben, Schüler:innen bereits nach vier Jahren zu selektieren – eine längere gemeinsame Lernzeit würde soziale Herkunft unwichtiger machen und weiterer gesellschaftlicher Spaltung vorbeugen.

Weitere Bausteine, um eine dringend notwendige Bildungsrevolution ins Rollen zu bringen: Attraktivität der Lehrberufe steigern (z.B. Ja 13, Planungssicherheit statt Befristung, Reduzierung der Arbeitsbelastung um Kapazitäten für Fortbildung und Schulentwicklung zu schaffen), eine Änderung der Lehrkräfteausbildung und, natürlich, einen anderen Personalschlüssel in Kitas und Schulen. Zudem sind meiner Meinung nach neben den regelmäßigen Tarifverhandlungen weitere Themenfelder gewerkschaftlich und beständig zu beackern: Erwachsenenbildung, Unterstützung der Hochschulgruppen und eine grundlegend emanzipatorische Ausrichtung der Gewerkschaft.

Ich bewerbe mich hiermit für den stellvertretenden Vorsitz oder für den Landesvorstand der GEW Bayern. Ich sehe meine Stärken in der Teamarbeit und in der Kommunikation. Ich möchte gerne dabei mithelfen, das Profil der GEW als junge und attraktive Mitmach-Gewerkschaft weiterzuentwickeln, digitale Möglichkeiten und Potentiale zu entfalten und die GEW zu einer Gewerkschaft zu machen, die im Bildungsbereich ein starkes Wort mitzureden hat.

 

Foto: privat