GEW Bayern
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NachrufWir trauern um einen Gewerkschaftslinken

Nachdem wenige Wochen zuvor seine Frau Brigitte für uns alle sehr überraschend gestorben war, traf uns nun die Nachricht, dass am 23. Mai unser Kollege Eberhard Rauch von uns gegan­gen ist.

28.05.2021

Beide waren gut 50 Jahre in der GEW.
Eberhard war engagierter Hauptschul­leh­rer, lange Jahre in Wald­aschaff, später an der Mittel­schu­le Hösbach, von wo er in Pension ging.
Er hat nahe­zu von Anfang an in den 70er Jah­ren tat­kräftig den Kreisverband Aschaffenburg mit auf­gebaut. Anfang der 2000er hat er auch für einige Jahre den Vorsitz im Kreisvorstand übernommen.

Als Aktiv­ist der Studentenbe­wegung und Mit­he­raus­ge­ber des „Wör­terbuchs Kritische Erziehung“ brach­te er immer die Notwendigkeit einer poli­tisch-öko­nomischen Gesell­schaftsanalyse und einer ent­spre­chenden politi­schen Bildung von Gewerkschafts­kolleg­Innen ein. Sei es am GEW-Stammtisch, an den MV-Abenden oder darüber hinausgehend als der „Begründer“ und Motor des Aschaf­fenburger GEW-Sommer­seminars. Eberhard organisierte es 1981 zum ersten Mal, initiierte die jährlichen Planungen und leitete die Se­minare bis 2004. Schon ab Mitte der 90er Jahre wurde es als das unterfränkische GEW-Sommerse­minar im Landesverband bekannt und schließlich ab 2012 als das Sommerseminar der GEW Bayern in die Gewerkschaftliche Bildungsar­beit der GEW Bayern integriert. Damit floss bis 2018 sein „Vermächtnis“ in die Koordination dort deutlich ein. Das Sommerseminar lebt immer noch. Es wird derzeit von der AG Perspektiven in der GEW Bayern organisiert, in der Eberhard von Anfang an so lange mitarbeitete, wie es seine ge­sund­heitliche Situation erlaubte.
Die politischen Diskussionen, sei es um die politisch-ökonomischen Grundlagen, sei es um die ta­ges­politischen Themen, waren für Eberhard essentiell. In den späten 90er Jahren war er Mitglied im Politischen Club Aschaffenburg. Als der dann 2002 in Attac Aschaffenburg aufging, darf Eberhard auch hier als Mitbegründer angesehen werden. Gerne besuchte er die Attac-Sommerakademien und pflegte dort Kontakte zu Referenten wie Frank Deppe, Joachim Bischoff oder Jörg Huffschmid.
Etliche Jahrzehnte bis 2004 war Eberhard im Örtlichen Personalrat, wo er konsequent – oft gegen die Mitglieder aus den administrationsorientierten Verbänden – die Interessen der Beschäftigten im Schulamtsbereich Aschaffenburg (Land) vertrat. Obwohl in den letzten Jahren immer mehr an den Rollstuhl gebunden, nahm er mit Unterstützung von Brigitte nach seinen Möglichkeiten am gewerk­schaftlichen Leben im Kreis teil.
Mit Eberhard und Brigitte ging ein wichtiger Teil der le­bendigen Geschichte un­se­res GEW Kreisverban­des.
An diesen harten Schicksalss­chlägen, die die beiden Söhne in kurzer Fol­ge ge­trof­fen ha­ben, nehmen wir tief Anteil. Wir sind erschüt­tert.