GEW Bayern
Du bist hier:

1. Mai 2020Solidarisch ist man nicht alleine!

2020 wird es kaum Demos und Kundgebungen auf Straßen und Plätzen zum Tag der Arbeit am 1. Mai geben. In Videobotschaften machen wir deutlich, warum der 1. Mai dennoch wichtig ist und bleibt!

30.04.2020

Denn in Zeiten von Corona heißt Solidarität: mit Anstand Abstand halten. Und trotzdem stehen wir am Tag der Arbeit 2020 zusammen - digital, in den sozialen Netzwerken, mit einer Live-Sendung am 1. Mai. Wir sind da. Wir sind viele. Und wir demonstrieren online unser Maimotto: Solidarisch ist man nicht alleine!

Hierzu hat die GEW Bayern einige Video erstellt. Wir zeigen, welche Bedeutung der 1. Mai für uns hat.

Der Landesvorsitzende der GEW Bayern, Anton Salzbrunn

Die stellvertretende Landesvorsitzende, Martina Borgendale:

GEW Mitglied Kristin Gehrt Bisch:

GEW Mitglied Hilger Uhlenbrock:

Eine Studentin der GEW Bayern:

GEW Mitglied Ruth Brenner

Hier die Rede der GEW Bundesvorsitzenden Marlis Tepe zum 1. Mai in Köln:

 

Liebe Kölner, liebe Kölnerinnen.

an diesem 1. Mai wäre ich gerne mit euch in der Kölner Innenstadt demonstriert und hätte auf dem Heumarkt eine Rede gehalten. Ich habe mich sehr auf den 1. Mai in Köln gefreut, aber Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch wir als GEW haben im DGB-Bundesvorstand dafür gestimmt, diesen 1. Mai jetzt nur digital zu feiern. Deshalb nun meine Botschaft zum 1. Mai per Video:

liebe Kölner, liebe Kölnerinnen.

Solidarisch sind wir nicht alleine. Wir stehen zusammen und kämpfen für unsere Rechte

Solidarisch sind wir und wenden uns dagegen, dass die Schere durch die Krise weiter auseinandergeht.

Unser Land wird weltweit von Gewerkschaftskolleginnen bewundert, weil wir nicht so viele Tote haben wie in Wuhan, Bergamo, New York oder Guayaquil.

Abstand halten ist das Gebot der Stunde.

Heute zeigen wir unsere gewerkschaftlichen Forderungen nicht auf der Straße. Wir haben eingesehen, dass Gesundheitsschutz jetzt vorgeht. Nach der Krise nehmen wir unser Demonstrationsrecht auf dem Platz wieder wahr.

Jetzt ist Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation unsere gewerkschaftliche Macht. Gesundheitsschutz statt Hauruckverfahren – Schulöffnungen brauchen Vorbereitungszeit! Mit einem offenen Brief und einer Petition mit 32000 Unterschriften hat die GEW Köln Druck gemacht und Einfluss genommen auf die Planungen zur Schulöffnung.

In dieser dramatischen Situation wird für alle sichtbar, wo im Bildungssystem gespart worden ist.

Wir legen immer wieder den Finger in diese Wunde. Ihr hier in Köln mit eurer Demonstration im November habt „Bildungsalarm“ geschlagen und der Politik für ihre Sparpläne die rote Karte gezeigt.

Der Investitionsstau in Schulgebäuden allein in Köln beträgt 16 Milliarden Euro.

Toiletten sind in einem furchtbaren Zustand, Waschbecken? zu wenig. Seife und Einmalhandtücher? Gar nicht oder nicht ausreichend vorhanden. Kolleginnen sollen jetzt Seife und Desinfektionsmittel mitbringen.

Die Reinigung wurde an Billiganbieter vergeben mit den negativen Folgen für die meist prekär Beschäftigten im Reinigungsgewerbe und für die Sauberkeit in den Schulen. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten in viel zu engem Zeitkorsett, ihnen wird zu wenig Zeit für die tägliche Reinigung der Toiletten und Klassenräume eingeräumt.

Jetzt wird deutlich, wie stark die Hygiene vernachlässigt wurde.

Noch schlimmer, in unserem Land ist die soziale Herkunft immer noch maßgeblich für den Bildungserfolg. Wir wollen mehr Geld für Bildung und Schulen in schwierigen Lagen. Sie sollen endlich nach Sozialindex zusätzlich ausgestattet werden. In der Stadt Köln herrscht Gesamtschulnotstand. Für dieses Schuljahr musste die Stadt über 700 Anmeldungen für Gesamtschulen abweisen. Das heißt auf Wunsch der Eltern wären 5 weitere Gesamtschulen notwendig. Die brauchen wir mit oder ohne Corona!

Auch in Köln macht sich der Mangel an Lehrkräften bemerkbar. Anfang des Schuljahres fehlten 168 Lehrkräfte allein in Köln. Das sind wöchentlich 4700 Unterrichtsstunden, die euren Kindern in der Woche fehlen.

Zu große Klassen, zu wenig Platz, das alles rächt sich jetzt. Ich kann verstehen, wenn Eltern gerne ihre Kinder in der Schule oder in der Kita hätten. Ich weiß, dass sich Home-Office mit Unterricht nicht gut vereinbaren lässt, aber wir müssen Schritt für Schritt mit der Virus- Krise umgehen. Unser Dank gilt allen, die in den Kitas und in den offenen Ganztagsangeboten die Notbetreuung aufrechterhalten haben.

Prekär beschäftigt sind in Köln etwa 900 Mitarbeiter*innen in der Volkshochschule. Sie arbeiten mit Existenzängsten wie Soloselbständige, sind aber eigentlich normale Arbeitnehmer*innen. Wir fordern die VHS auf, die Tarifflucht zu beenden. Wir haben mit dem DGB für die Rechte von Honorarkräften im Corona Schutzpaket gekämpft. Immerhin fallen sie nicht mehr ins Bodenlose. Solidarisch sind wir nicht alleine. Wir stehen hinter euch und kämpfen für bessere Bedingungen.

Vermutlich müssen wir uns auf längere Zeit auf ein neues Normal mit Gesundheits- und Wirtschaftskrise einstellen.

Wir danken den Kollegen und Kolleginnen in der Pflege, in den Krankenhäusern, im Einzelhandel, in der Logistik. Lob allein reicht nicht.

Solidarisch sind wir nicht alleine, deshalb werden wir weiter mit unserer gewerkschaftlichen Kraft für die Verbesserung eurer Arbeitsbedingungen kämpfen. Es zeigt sich in der Krise, dass insbesondere Frauen jetzt wichtige Arbeit leisten und zu schlecht bezahlt werden.

Solidarisch werden wir für bessere Bezahlung eintreten.

Solidarisch sind wir nicht allein Unsere Sorge gilt den Menschen in den armen Ländern und den Geflüchteten, die auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Internationale Solidarität ist die DNA der Gewerkschaftsbewegung!

Solidarisch sind wir nicht allein! Als Vorsitzende der Gewerkschaften setzen wir uns gegenüber der Bundesregierung für das Kurzarbeitergeld und viele andere Regelungen ein. Hier vor Ort vertrauen wir auf euch als Betriebs- und Personalräte und auf die Kölner Gewerkschaftsbewegung!

 

Marlis Tepe

Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft