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NachrufDie GEW trauert um den langjährigen bayerischen DGB-Vorsitzenden Matthias Jena

Mit großer Bestürzung erfuhren wir nur sechs Wochen nach Matthias krankheitsbedingtem Rücktritt vom Vorsitz des DGB Bayern von seinem Tod.

20.07.2021 - Martina Borgendale und Anton Salzbrunn

Viel zu früh verstarb er am 29. Juni2021 im Alter von 60 Jahren. Wir hatten ihm so sehr gewünscht, dass ihm noch mehr Zeit mit seiner Familie und engen Freund*innen bleibt. Leider war ihm dies nicht mehr vergönnt.

Matthias Jena war von 2010 bis zu seinem Rücktritt am 18. Mai 2021 Vorsitzender des DGB Bayern. Zwischen 1991 und 2006 war er bereits u. a. als Leiter der Vorstandsabteilung beim DGB Bayern tätig gewesen. Danach wechselte er zur IG Metall und war dort von 2006 bis 2010 Pressesprecher.

Außerdem war Matthias alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrats der AOK Bayern, vertrat den DGB Bayern im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks und im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit. Der regelmäßige Austausch zwischen Kirchen und Gewerkschaften lag ihm als Mitglied der Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern sehr am Herzen. Sein Einsatz für die Bayerische Verfassung wurde im Februar 2019 mit der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber honoriert.

Vor seinem Studium der Politikwissenschaften, Psychologie und evangelischen Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München schloss er an der Fachhochschule München ein Studium der Sozialpädagogik ab. Deshalb war Matthias bis zu seinem beruflichen Wechsel zur IG Metall GEW-Mitglied.

Auch als Vorsitzender des DGB Bayern setzte er sich für gute Bildungspolitik ein und hatte für die Anliegen der GEW immer ein offenes Ohr. Wir erinnern an sein Engagement für „Eine Schule für Alle“ oder die unter seinem Vorsitz geleitete Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen Mittelschule und Gymnasien (G8/G9). Matthias hatte sich außerdem auch für den Beitritt des DGB zum Forum Bildungspolitik stark gemacht. Im Bezirksvorstand des DGB Bayern galt sein Interesse nicht nur den Aktivitäten der großen, sondern auch denen der kleineren GEWerkschaften.

Matthias trat stets mutig für seine Überzeugungen ein, zum Beispiel beim erst abgesagten und dann doch durchgeführten Antifa-Kongress im Münchner Gewerkschaftshaus. Während des laufenden Kongresses standen Pegida München und AfD Oberbayern vor den Türen des Gewerkschaftshauses in der Schwanthalerstraße. Die Kundgebung der AfD wurde am Samstag in üblich rassistischer Manier abgehalten. Matthias, der am gleichen Tag vor dem Gewerkschaftshaus sprach, fand in seiner Rede deutliche Worte: „AfD demonstriert gemeinsam mit Pegida, dem ‚Dritten Weg‘ und der NPD vor dem Münchner Gewerkschaftshaus – es ist zum Kotzen. … Wisst ihr wie oft das Wort ‚Gewerkschaft‘ im Grundsatzprogramm der AfD vorkommt? Kein einziges Mal! Kein Wort davon, dass Arbeitgeber ihren Anteil zur Sozialversicherung leisten müssen. Kein Wort dazu, dass Rentenversicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung die Menschen vor existenziellen Risiken bewahren. … Tarifverträge? Keine Erwähnung! Leiharbeit, Werkverträge, Minijobs, Befristungen? Kein einziges Wort dazu!“

Mit Matthias verliert die Gewerkschaftsbewegung einen auch in der GEW sehr geschätzten Kollegen, einen überzeugten Gewerkschafter und entschlossenen Kämpfer für eine demokratische und sozial gerechtere Gesellschaft. Er wird uns allen fehlen.

von Martina Borgendale

Vorsitzende der GEW Bayern

und

Anton Salzbrunn

ehemaliger Vorsitzender der GEW Bayern