GEW Bayern
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Medieninformation Nr. 6/2014 vom 14. Februar: GEW Bayern zur aktuellen Diskussion um das Gymnasium: Es geht um mehr als um G8 oder G9!

Fast zehn Jahre lang haben Staatsregierung, Kultusminister*innen und Kultusverwaltung ohne großen Erfolg alles ihnen Mögliche getan, um der Bevölkerung das vom damaligen Ministerpräsidenten verordnete G 8 schmackhaft zu machen.

14.02.2014

Nun steht von einem Tag auf den anderen, ausgelöst durch ein erfolgversprechendes Volksbegehren, die Wende an. Das Gymnasium soll wieder neunjährig werden.

Schon wieder lässt der Ministerpräsident den Kultusminister auflaufen, den er zuvor zur effektiven Umsetzung des G 8 „verdonnert“ hat.

Diese plötzliche Kehrtwendung zum G9 allein ist aus Sicht der GEW wenig hilfreich. Sie entlastet zwar die Eltern, die zusammen mit ihren Kindern eine gymnasiale Schullaufbahn anstreben, aber mit dem G 8 in der bestehenden Form nicht einverstanden sind. Und das sind viele, denn überall dort, wo (wie z. B. in Baden-Württemberg) ein G 9 alternativ angeboten wird, wird dies gegenüber dem G 8 bevorzugt gewählt.

Ein bloßes Zurück zum „alten Gymnasium“ löst aber nicht die Probleme dieser Schulart.

Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: „Für uns lautet die entscheidende Frage nicht „G 8 oder G 9“, sondern es geht v. a. darum, was im Gymnasium (und auch an allen anderen Schularten) geschieht. Wie kann Schule so gestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche sie als einen Lern- und Lebensraum wahrnehmen, den sie gerne und erfolgreich besuchen? Wie kann Schule gelingen, ohne Schüler*innen und Lehrer*innen permanent bis über die Grenze ihrer Belastbarkeit hinaus zu beanspruchen? Wie kann Lernen gestaltet werden, um nachhaltig zu wirken? Welche Inhalte sind zu vermitteln, um Schüler*innen über die Verwertbarkeit von Abschlüssen hinaus auf ein gelingendes Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten?

Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, ist eine Diskussion um den Bildungsbegriff zu führen, die nicht von den „Abnehmern“, Hochschulen und Wirtschaft, dominiert werden darf. Bildung ist ein Menschenrecht, das es an jeder Schule einzulösen gilt.

Kurzfristig fordern wir, dass auch das Gymnasium einen „echten“ mittleren Bildungsabschluss nach dem zehnten Schuljahr vergibt, und eine gymnasiale Oberstufe, die in zwei bis vier Jahren durchlaufen werden kann. An der Entwicklung eines entsprechenden Konzepts sind Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern und alle ihre Vertretungen von Anfang an gleichberechtigt zu beteiligen.
Langfristig fordern wir eine gemeinsame Schule bis zum Abschluss der Pflichtschulzeit und darauf aufbauend eine berufliche Ausbildung und eine gymnasiale Oberstufe. Schüler*innen entscheiden sich dann für einen dieser beiden Wege.“

 

V.i.S.d.P.: Elke Hahn, GEW Bayern, Schwanthalerstraße 64, 80336 München, Tel. 0171 676 00 00.

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