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DDS Juni 2021Digitalisierung

In der Juniausgabe unserer Mitgliederzeitschrift DDS geht es im Schwerpunkt um das Thema Digitalisierung.

20.05.2021 - Dorothea Weniger

Digitalisierung ist wohl das Wort, das auch GEWler*innen im Zusammenhang mit Corona schnell einfällt. Ohne digitale Lernsettings und komplexe Kommunikations und Cloud-Lösungen wäre in Bildungseinrichtungen vieles in den letzten Monaten nicht möglich gewesen.

Angesichts des rekordverdächtigen Umbaus des personenbezogenen Unterrichtens hin zum digitalgestützten Distanzunterricht verstummte bald die berechtigte Forderung, kostenlose Open-Source-Software zu nutzen. Plötzlich genehmigte auch der bayerische Kultusminister »Microsoft Office 365« und die damit verbundenen Videokonferenz-, Chat- und Cloud-Funktionen von »MS Teams« – Software, die zuvor noch aus Gründen des Datenschutzes untersagt war und über die der Rechtsanwalt Oliver Rosbach schreibt: »Aufgrund der Verletzungen des Datenschutzrechts ist eine Nutzung von Office 365 … weder für Lehrer*innen noch für Schüler*innen und Eltern anzuraten.« Datenschutz – eine zu vernachlässigende Größe angesichts der Pandemie? Nein, denn der »Datenschutz dient der Umsetzung der Grundrechte«, so Rosbach. Ist der Datenschutz nicht gewahrt, vergrößert sich die ohnehin gegebene Machtasymmetrie zwischen Konzernen und Bildungseinrichtungen, bei der Letztgenannte unweigerlich den Kürzeren ziehen. Genutzt wird das Machtgefälle wiederum von den IT-Konzernen. Ihren Lobbyismus müssen diese derzeit nicht einmal mehr verbrämen.