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DDS November 2018

Erinnern für die Zukunft. – Erinnern bedeutet, etwas im Gedächtnis zu bewahren und sich dessen immer wieder bewusst zu werden. Erinnern erfordert daher, sich einer willentlichen Anstrengung zu unterziehen, Gedankenarbeit zu leisten. Das Jahr 2018 ist ein besonderes Jahr des Erinnerns.

04.11.2018 - Dorothea Weniger

Die Novemberrevolution und die Räterepublik (1918/19) stehen für das Ende des Ersten Weltkriegs. Sie brachten Bayern die Demokratie. Diese historischen Ereignisse und das Erinnern an Karl Marx (200. Geburtstag) verweisen auf gesellschaftliche Entwürfe für eine bessere Welt. Um Veränderungen zu erreichen, braucht es Möglichkeiten des Gestaltens und der Teilhabe. Die Einführung des Frauenwahlrechts (1918) war in dieser Hinsicht wohl das bedeutendste Ereignis in jener Zeit. Dass es neben dem Wahlrecht politischer Bildung bedarf, erkannten bereits damals nicht nur Aktivistinnen.
 Pädagogische Konzepte verlangt auch das Erinnern an 1938. Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 ist ein wichtiges Datum. Es steht für den Anfang der Judenvernichtung und für die Grausamkeit des Nationalsozialismus. Dass auch das Erinnern an die Gräuel der Nationalsozialist*innen einem fortwährenden Wandel unterliegt, zeigt das Interview mit dem Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg Dr. Skriebeleit. Er macht besonders deutlich, dass Erinnern Wissen voraussetzt und dieses in Bezug zur Realität gesetzt werden muss.
 In Bildungseinrichtungen ist hierfür die politische Bildung unabdingbar. Die AfD mit ihrer zum Teil völkischen Programmatik setzt auf die Umdeutung des Erinnerns und Wissens. Gleichzeitig erwägt sie nun auch in Bayern ein Denunziationsportal gegen Lehrkräfte, vor allem im Bereich der gesellschaftlichen Bildung, ins Leben zu rufen. Wer sich erinnert, weiß, dass das Vergiften der Gesellschaft, ihre Spaltung, das Setzen auf Denunziation und eine völkische Ideologie eine Gefahr für die Demokratie darstellen. Die Forderung nach mehr politischer Bildung in allen Bildungsinstitutionen ist deshalb 2018 mehr denn je nur folgerichtig. Doch mehr ist gefordert: ein immerwährendes Erinnern und Solidarität mit denen, die angegriffen werden.

 

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