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(Beisheim-)Gymnasium Tegernsee I

Schreiben (28.11.2005) an Staatssekretär Karl Freller

28.11.2005 - Helmut Oskar Brückner, Vorsitzender

Sehr geehrter Herr Staatssekretär,

der Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 24. 11. 2005 veranlasst mich zu diesem Schreiben.

Falls das Zitat von Ihnen korrekt und vollständig wiedergegeben ist, wäre diese Ihre Aussage doch sehr einseitig und würde der Gesamtproblematik der Vorgänge um die Beisheim-Stiftung für das Tegernseer Gymnasium nicht gerecht. Schließlich hat das Kultusministerium erst in diesem Jahr die Möglichkeit geschaffen, staatliche Schulen nach lebenden Personen benennen zu können. Davon wurde bisher erst zweimal Gebrauch gemacht. Deshalb sollte bei der Auswahl des Namensgebers sehr sorgfältig abgewogen werden.

Ihr Argument, Herr Beisheim habe dazu beigetragen, die Bundesrepublik wettbewerbsfähig zu machen, und die Jugend brauche Unternehmergeist, erscheint mir recht zweifelhaft.

Ohne in die Tiefe gehen zu wollen, müsste jedenfalls miteinbezogen werden, wie viele kleinere und mittlere Einzelhandelsgeschäfte, Fachgeschäfte und Arbeitsplätze durch die Expansion der Großmärkte des Herrn Beisheim vernichtet wurden. Dies ausschließlich als Verdienst um die Wettbewerbsfähigkeit zu würdigen, der ausreiche, einen Milliardär als Vorbild zu sehen, entspricht doch – hoffentlich - nicht einmal den amtlichen Lehrplänen. Dass er in der Vergangenheit einen Teil seiner Steuern, die er durch seinen Umzug in die Schweiz spart, für wohltätige und kulturelle Zwecke gespendet hat, mag ihn ehren, macht ihn aber auch nicht unbedingt zum Vorzeigeunternehmer, geschweige denn zu einem Vorbild für unsere Jugend.

Schlimmer noch finde ich, dass es jetzt in der Region ein wahres Kesseltreiben gegen das Lehrerkollegium des Tegernseer Gymnasiums gibt, angeführt von fünf Bürgermeistern, die sogar die Preisgabe der Namen derjenigen Lehrkräfte verlangen, die für den Beschluss gestimmt haben, und diese auffordern, sich schnellstmöglich versetzen zu lassen.

Hier ist der Dienstherr dieser Lehrkräfte gefordert, unabhängig von der persönlichen Einschätzung des Herrn Beisheim seine Fürsorgepfliicht wahrzunehmen und sich klar und unmissverständlich vor das Kollegium zu stellen sowie diese unglaublichen, rechtswidrigen und undemokratischen Ansinnen schärfstens zurückzuweisen.

Das Kollegium hat seinen Beschluss schließlich nach gründlicher Diskussion mit durchaus nachvollziehbaren Gründen gefasst. Die Lehrkräfte haben ihren Schülerinnen und Schülern - auch wenn sich diese von der aufgeheizten Stimmung in der Region haben beeindrucken lassen - ein sehr positives Zeichen an Zivilcourage und Rückgrat vorgelebt. Ich meine, dies klarzustellen hätte dem zuständigen Staatssekretär wohl angestanden.

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