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Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert Mut zu einem neuen G9

19.10.2016

Bei ihrer bayernweiten Tagung am 15.10.2016 im Nürnberger Gewerkschaftshaus hat die Landesfachgruppe Gymnasium der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern ein Konzept für das neue G9 vorgestellt und diskutiert: Endlich mit Mut zum neuen G9!

Vorsitzender Andreas Hofmann, Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium Tutzing, sieht
den Grund für die Schulmisere in fehlender Zeit für die einzelne Schülerin, den einzelnen Schüler:
„Statt einer flexiblen Mittelstufe für wenige sollten alle die Chance auf ein neues G9 bekommen.“
Nach der 10. Klasse soll zunächst allen der Realschulabschluss möglich gemacht werden, um dann
in der Regel über drei Jahre zum Abitur zu kommen. 


Hofmann und seine Mitstreiter*innen rücken nicht davon ab, dass auch inhaltliche Bildungsziele
verhandelt werden müssen: Um die Welt zu verstehen, braucht es mehr als nur eine Stunde Sozialkunde in der 10. Klasse! Schließlich leben die Jugendlichen heute in einer politisch komplexeren
Welt als noch vor wenigen Jahren: Wie sollen sie sich in so kurzer Zeit die Erklärung für Wirtschaftskrisen, Flüchtlingsströme oder das Aufkommen neuer rechter Parteien erarbeiten? 


Die wichtigste Veränderung auf dem Weg zum neuen G9 ergibt sich in der Oberstufe. Wenn der
Realschulabschluss nach 10 Schuljahren erreicht wird: Wie viele Jahre bekommen die SchülerInnen
dann noch bis zum Abitur? Hier entscheidet sich, ob es regulär 8 oder 9 Jahre am Gymnasium geben
wird. 


Andreas Hofmann entwirft ein einfaches Modell für die neue Oberstufe, das die Schulen vor Ort
ohne große Strukturveränderungen umsetzen können: „Die neue Qualifikationsphase kann weiterhin
aus zwei Schuljahren bestehen. Ein zusätzliches Jahr vor der Qualifikationsphase soll aber
individueller genutzt werden. Die Mehrzahl der SchülerInnen belegt nach der 10. Klasse ein 11.
Schuljahr, das das neue G9 ausmachen wird: Ein Jahr zur Vertiefung des Stoffs und zur Vorbereitung
auf die Qualifikationsphase. Hier können die Kompetenzen erlangt werden, für deren Durchdringung
ein älterer Jugendlicher erst jetzt die notwendige Reife hat: Historische Ereignisse, die z.B.
in der 8. und 9. Klasse gelernt wurden, können jetzt in einen größeren Zusammenhang gebracht
und in die aktuelle politische Lage eingeordnet werden. Das neue G9 sorgt für die Hochschulreife,
die die Universität verlangt! 


In einem neuen G9 soll es für leistungsstarke Jugendliche noch möglich sein, das Abitur in acht
Jahren zu erreichen. Auch ein Jahr im Ausland kann im neuen G9 problemlos zwischen Mittlerem
Abschluss und Qualifikationsphase eingeschoben werden. 


Die GEW geht bei der Fächerwahl in der Oberstufe von gleichwertigen Fächern aus, unter denen es
wieder mehr Möglichkeiten der Auswahl und der Vertiefung geben soll. Auch über die Abiturprüfung
selbst sollte diskutiert werden. 


Rückfragen gerne an:
Andreas Hofmann, Tel. 0151 / 61 32 69 67, Mail: andreas.hofmann@gew-bayern.de 


V.i.S.d.P.: Elke Hahn, Geschäftsführerin, Schwanthalerstraße 64, 80336 München, Tel.: 089 /
544081-0

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