GEW Bayern zur Bertelsmannstudie: Die Schulstruktur muss endlich auf den Prüfstand!
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Vom: 12. March 2012

Pressemitteilung Nr. 04 / 2012 vom 12. März 2012

Die ersten PISA-Ergebnisse vor zehn Jahren bestätigten Bayern international gerade durchschnittliche Leistungen der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler. Im bundesdeutschen Vergleich nahm Bayern zwei „Spitzenplätze“ ein: die besten Leistungen und die stärkste soziale Auslese.

Zahlreiche Untersuchungen im letzten Jahrzehnt wiesen immer wieder darauf hin, dass es in Bayern schlecht um die Chancengleichheit bestellt ist. Wie kaum in anderen Regionen so stark ausgeprägt, haben Akademikerkinder die besten Chancen, aufs Gymnasium zu wechseln, und dieses auch erfolgreich abzuschließen. Nach wie vor sind soziale Herkunft und Bildungsabschluss der Eltern die besten Indikatoren für den Zugang zu „höherer Bildung“. Akademikerkinder haben im Vergleich zu Nichtakademikerkindern eine mehr als sechsmal so hohe Chance aufs Abitur. So die traurige Bilanz der aktuellen Studie. Trotz vielem Drehen an kleinen Stellschrauben im Schulsystem ist dieser Wert so beschämend hoch wie vor zehn Jahren.

 

Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern:

„Die erste internationale PISA-Studie hat den Beweis dafür gebracht, dass ein gegliedertes Schulsystem keine notwendige Voraussetzung für gute Leistungen ist. Länder und Regionen mit einer Schule, die alle Kinder und Jugendlichen bis zum ersten Schulabschluss gemeinsam besuchen, haben dies eindrucksvoll belegt. Allen voran Südtirol, wo es die besten Ergebnisse im deutschsprachigen Raum gab, und Finnland. Die „Korrekturen“ am bayerischen Schulsystem, die zu mehr Chancengleichheit führen sollten, haben ihr Ziel nicht erreicht. Deshalb fordern wir PolitikerInnen und Verantwortliche im Kultusministerium auf, das Tabu, das sie über die Schulstrukturfrage gelegt haben, endlich zu brechen! Es kann nicht sein, dass man sich damit zufrieden gibt, Nichtakademikerkindern „Umwege“ über Berufsoberschule, Fort- und Weiterbildung anzubieten und damit die 6,5 mal höhere Chance der Akademikerkinder auf ein traditionelles Abitur klein zu reden, wie es der Kultusminister heute versucht (s. PM des KM Nr. 057 vom 12. März 2012). Ein Schulsystem, dessen Wurzeln aus dem Ständestaat kommen, das an einem statischen Begabungsbegriff festhält und das neun- bis zehnjährigen Kindern die Eignung für bestimmte Schularten wider besseres Wissen zuspricht, kann soziale Barrieren nicht überwinden und Chancengleichheit nicht verwirklichen. Das belegt u. a. die vorgelegte Bertelsmann-Studie.“

 

V.i.S.d.P. Elke Hahn, Geschäftsführerin GEW Bayern, Schwanthalerstraße 64, 80336 München