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DDS Mai 2017 - Editorial

04.05.2017 - Dorothea Weniger

Weder Quantität noch Qualität! – Seit 2013 gibt es auch für unter Dreijährige einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz. 2017 fehlen jedoch noch immer rund 230.00 Plätze.

Doch die Quantität ist nur das eine, die Qualität der Arbeitsbedingungen das andere: Hier beißt die GEW bei Tarifverhandlungen seit Jahren auf Granit. Deshalb verfolgt sie nun zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt und dem Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder/ Caritas mit dem Erarbeiten eines Kita-Qualitätsgesetzes einen anderen Weg. Das Gesetz soll zumindest die Qualitätsstruktur und damit die Arbeitsbedingungen in den Kitas bundesweit einheitlich regeln. Geldmangel kann bei der Frage nach Zustimmung zum Gesetz kein Argument sein. Angesichts der gerade beschlossenen Erhöhung des Wehretats 2017 auf 1,22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist 1 Prozent des BIP für frühkindliche Bildung nicht zu viel verlangt.

Der Faktor Geld spielt auch in der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Sozialen Arbeit eine unrühmliche Rolle. Die Akteur*innen dort unterstützen Menschen, die in einer Krise stecken. Oft sind die Problemlagen gesellschaftlichen und/oder politischen Ursprungs. Manch Außenstehende erwarten von Sozialarbeiter*innen trotzdem, dass sie bei gleichbleibenden gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen für Wunder sorgen. Ähnlich unverantwortlich handeln die, die die praktische Kinder- und Jugendhilfe sowie die Soziale Arbeit in ein immer strafferes Zeitgerüst pressen, mit dem Ziel Kosten zu sparen. Das Überwinden von Krisen, aber auch der Wunsch der Beschäftigten nach Raum und Zeit für gute Arbeit rücken bei diesen Zahlenspielen immer weiter in den Hintergrund.

Dreist ist der jüngste Vorstoß des bayerischen Sozialministeriums, Trägern der Asylsozialberatung die Fördergelder entziehen zu wollen, wenn die dort beschäftigten Sozialarbeiter*innen weiter die Rechte der Geflüchteten bei drohender Abschiebung in das Krisengebiet Afghanistan kommunizieren. Dieser Eingriff in die professionellen Standards der Sozialen Arbeit kommt einer unverhohlenen Drohung gleich.

All diese Missstände erfordern Abwehrkämpfe, damit Erzieher* innen, Kinderpfleger*innen und Sozialarbeiter*innen gute Arbeit leisten können, die ihnen und den Menschen, für die sie Partei ergreifen, gerecht wird. Darüber hinaus braucht es Spielräume zur Reflexion. Denn die Frage, wie eine Gesellschaft aussehen müsste, damit alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, aber auch die Beschäftigten in der Kita, in der Kinder- und Jugendhilfe und in der Sozialen Arbeit uneingeschränkte Wertschätzung erfahren, steht nicht erst seit gestern im Raum.

 

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